Einführung

Seit dem 11. September 2001 werden vermehrt Stimmen laut, die vor einem naiven Dialog warnen. Dialog ist ein bestimmter Kommunikationsstil, der oft von kämpferischen oder feindseligen Verhältnisbestimmungen verdrängt wird. Dennoch gibt es zum Dialog als verständigungsorientiertem Prozess keine Alternative, denn er eröffnet gelingendere Handlungsmöglichkeiten als voreilige oder feindselige Abgrenzungen. Verständigung bedeutet dabei nicht das Übergehen von Unterschieden. Damit Dialog in die Tiefe gehen kann, ist gerade die Arbeit an den Differenzen erforderlich.

Die Akademie soll ein Ort sein, an dem ein ehrlicher Dialog zwischen Christen und Muslimen jenseits von Feindseligkeit und Verharmlosung stattfinden kann. „Unter dem Dach der Gastfreundschaft entstehen Freude und Gewinn am Andersdenkenden.“ (Gebhard Fürst, Festvortrag 20 Jahre Tagungshaus Weingarten) Ziel ist ein differenziertes Verstehen der jeweils anderen Religion mit ihren vielfältigen Positionen, Diskursen und Erscheinungsformen. Im Zentrum stehen dabei religiöse Fragen. Besondere Relevanz gewinnt dieser Dialog im Blick auf die Integration von Muslimen und das Begegnungsfeld von Religion und Gesellschaft in Deutschland. Eine Kernfrage ist hier die Diskussion über die Einführung von Islamischem Religionsunterricht im deutschen Schulsystem, der sich ein Fachgespräch zum Thema Islamischer Religionsunterricht - ein Gebot der Stunde? widmete. Die wachsende Kritik am Dialog griff eine Tagung zum Thema Christlich-islamischer Dialog in der Kritik. Erfahrungen, Strategien, gesellschaftliche Präsenz auf.

Das Nachdenken über die öffentliche Relevanz von Religion führt schließlich zur Frage der ethischen Verantwortung und des Verhältnisses von Religion und Politik. Neben aktuellen Fragen des Dialogs geht es auch darum, Kommunikationsschwierigkeiten und die Geschichte von Missverständnissen und feindseligen Abgrenzungen aufzuarbeiten. In einer kritischen Sensibilisierung für die gegenseitige Wahrnehmung liegt ein Schlüssel für zukünftige Verständigungsmöglichkeiten.

Ein weiterer Akzent liegt auf Veranstaltungen, die Bibel und Koran sowie verschiedene christliche und islamische Schrifthermeneutiken miteinander ins Gespräch bringen. Hierbei handelt es sich um Fragen, die gerade bei Veränderungsprozessen der beiden Religionen eine wichtige Rolle spielen. Eine erste Tagung in diesem Themenfeld stand unter dem Motto Gemeinsam in der Schrift des anderen lesen.

Mit verschiedenen Arten von Veranstaltungen sollen folgende Zielgruppen angesprochen werden: Multiplikatoren in Kirchen, Gesellschaft und Islam, Personen, die im Dialog engagiert sind oder beruflich mit Muslimen zu tun haben, sowie TheologInnen, Kultur- und SozialwissenschaftlerInnen, welche die Herausforderungen durch den Islam reflektieren wollen. Ein Teil der Veranstaltungen wendet sich auch an eine breitere Öffentlichkeit. Der Dialoganteil fällt je nach Veranstaltung verschieden aus. Manche Veranstaltungen haben das Ziel, Informationen über den Islam zu vermitteln, ohne die kein Dialog möglich ist.

Ein Schwerpunkt ist die wissenschaftlich-theologische Reflexion über den christlich-islamischen Dialog, seine Grundlagen und die sich für die christliche Theologie ergebenden Konsequenzen. Dem widmet sich das Theologische Forum Christentum - Islam.