Arbeitskreis Süddeutsche Frauenstifte

Die letzte Fürstäbtissin Maximiliane von Stadion, Wikimedia commons

Frauenstifte, Kanonissenstifte, Damenstifte – die besondere religiös-kirchliche, aber nicht-monastische und dabei meist ständisch exklusive Lebensform von Frauen in Mittelalter und Früher Neuzeit findet seit langem die Aufmerksamkeit der historischen Forschung. Vor allem für die institutionengeschicht-lichen Grundlagen vieler dieser Stifte erlauben inzwischen zahlreiche Bände der „Germania Sacra“ einen guten Einblick. Die begleitenden „Studien zur Germania Sacra“ gehen darüber hinaus auch spezielleren Fragen nach; neuere Beiträge nehmen insbesondere auch sozial- und kulturgeschichtliche Perspektiven ein und schlagen die Brücke zur Gender-Forschung oder zur neuerdings intensivierten Erforschung des Adels. Auch etwa architektur- und kunstgeschichtliche Probleme finden dabei Berücksichtigung. Gleichwohl stellen die neueren Ansätze und interdisziplinären Zugänge bislang vielfach noch Ausnahmen dar. Vor allem aber ist das Bild der Frauenstifte besonders stark von den Forschungsergebnissen zu den norddeutschen Institutionen geprägt. Einige in jüngster Zeit vorgelegte Sammelbände und Studien zu Frauenstiften in Süddeutschland können über dieses Ungleichgewicht nicht hinwegtäuschen.
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2013 der „Arbeitskreis Süddeutsche Frauenstifte“ gegründet, der geographisch auch das Elsaß, die Schweiz und Österreich miteinbezieht, dabei aber nicht nur das landesgeschichtliche Interesse bündelt, sondern auch den Anschluss an gegenwärtig intensiv bearbeitete Forschungsfelder sucht und besonders Anregungen benachbarter Disziplinen aufgreifen möchte. Denkbar sind beispielsweise folgende Themen:

  • Frauenstifte und ihre Bewohnerinnen als Bestandteil regionaler adliger Netzwerke (insbesondere z.B. im Hinblick auf Strömungen und Prozesse wie Reformen, Reformation und Konfessionalisierung, Aufklärung und Säkularisierung)
  • Frauenstifte als Einrichtungen zur Erziehung und Bildung im Kontext adliger / weiblicher Sozialisation
  • Handlungsmöglichkeiten und Herrschaftsausübung von Kanonissen und Äbtissinnen in Gender-Perspektive
  • Stiftsgemeinschaften als Lebensgemeinschaften (z.B. Problematik von intergenerationellem Zusammenleben, Amtsautoritäten bzw. Rollenidentitäten, Einflussnahme von außen, Kanoniker als Mitglieder der Stiftskapitel)
  • Stiftsgemeinschaften als Ritual- und als Memorialgemeinschaften
  • Alltagskultur (Gesang und Gebet, Kleidung, Feste, Konsum usw.) im Stift


Die Workshops des Arbeitskreises finden in der Regel einmal jährlich im Tagungshaus der Akademie in Weingarten statt. 

Ansprechpartner/in:
Dr. Sabine Klapp, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde
Prof. Dr. Dietmar Schiersner, Pädagogische Hochschule Weingarten