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Außenblicke

Flüchtlinge fotografieren ihre deutsche Umgebung

Fotografiert von einem syrischen Flüchtling, Ohne Titel Vernissage: 
6.2.2017, 19:30 Uhr
Ausstellungsdauer: 

6.2. bis 30.7.2017
Ausstellungsort: KUNST-RAUM-AKADEMIE im

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Aleksandr-Men-Preis 1998

Verleihung an Tschingis Aitmatow


25. Juni 1998, Stuttgart, Landeskreditbank

Nach Kathinka Dittrich van Wehring, der Gründerin und ersten Direktorin des Goetheinstituts in Moskau, dem Schriftsteller Lew Kopelew (†) und dem Slawisten Wolfgang Kasack erhielt 1998 der kirgisische Schriftsteller Tschingis Aitmatow den Alexandr-Men-Preis „Für die Ökumene der Kulturen“, der von einer deutsch-russischen Jury renommierter Kultureinrichtungen verliehen wird: der Zeitschrift für Ausländische Literatur, Moskau, der Allrussischen Bibliothek für Ausländische Literatur, Moskau, dem Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde sowie der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der die Koordination und Ausrichtung des mit 5000 DM dotierten Preises obliegt.

Seit vierzig Jahren weiß sich Aitmatow in seinem Engagement für die Vermittlung der Kulturen der Völkerverständigung verpflichtet. Anläßlich der Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises für Literatur 1994 sprach Sigrid Löffler davon, daß die Literatur des kirgisischen Autors – dessen Werk mittlerweile in neunzig Sprachen übersetzt worden ist – ein Beispiel dafür sei, wie „das präzis beobachtete Lokale ins Universale umspringt. Der genau gesehene, prägnante Realitätsausschnitt wird universal.“ Aitmatows Funktion als Vermittler zwischen den Kulturen beschreibt sie mit den Worten: „Man kann ihn als eine literarische Mittlergestalt zwischen den Kulturen beschreiben, mit einer intellektuellen, emotionalen und künstlerischen Spannweite, die Zentralasien wie auch das europäische Rußland umfaßt, nach Westen bis in die USA ausgreift und sich ... in die irdische Schöpfung ebenso versenkt wie in die Abertiefen des Weltraums.“ In dem über ihn erschienenen Buch „Ferne Heimat Kirgisien“ (Knesebeckverlag, 1998) schreibt Aitmatow: „In all den Jahren habe ich mir meine Gedanken darüber gemacht, wie wesentlich Kultur, Kunst und Tradition für das Leben, ja das Überleben der Menschheit sind, wenn sie humanistischen Idealen dienen. ... Man sollte sich unaufhörlich für die Verwirklichung dieser Ideale einsetzen. Sie sollten die Impulse für unser Sinnen und Trachten sein, ob im Alltag oder als Teil unserer Philosophie und Religion. ... Jeder Mensch kann sich, wenn er die Dinge einfühlsam wahrnimmt, davon überzeugen, daß trotz unterschiedlicher nationaler Wurzeln die Völker durch solche Werte miteinander verbunden sind – fließen sie in Kunst und Literatur ein, gehören sie allen. ... Diese wechselseitige Durchdringung der so unterschiedlichen Kulturen bereichert uns alle. Der Austausch der Erfahrung und der Werte gelingt nur im Dialog und in der Begegnung. Und sie befruchten jede Kultur, zum Beispiel die Kulturen des Okzidents und des Orients.“

 Tschingis Aitmatow feierte am 12. Dezember 1998 seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fanden für ihn Treffen, Symposien und Begegnungen in Japan, in der Türkei (Universität Ankara), bei der UNESCO in Paris und schließlich auch in seinem Geburtsland Kirgisien statt. Auch dies ein deutliches Zeichen seiner völkerverbindenden, in vielen unterschiedlichen Kulturen aufmerksam wahrgenommenen Literatur. Aitmatow hat außerhalb seiner engeren und weiteren Heimat, also jenseits der Grenzen Kirgisiens und des riesigen postsowjetischen Gebietes, die größten Lesergemeinschaften des Westens in Deutschland.

In seiner Literatur finden Dramen und Tragödien des eigenen Volkes und der Menschheit, der modernen Zivilisation und ihrer Süchte, der Religion und der bedrohten Lebensgrundlagen der ganzen Welt ihren Ausdruck immer unter der Perspektive einer menschenwürdigen Kultur.

In seiner politischen Tätigkeit, die verstärkt unter der Perestroika Gorbatschows beginnt – er wird Mitglied des Präsidialrats, Volksdeputierter und Mitglied des Obersten Sowjet u.v.a.m –, wendet er sein Engagement schwerpunktmäßig mehr und mehr Mittelasien zu. So ist er z.B. der Präsident der „Vereinigung der Kulturen der Völker Zentralasiens (AKNAZAS)“. Zusammen mit anderen Persönlichkeiten „setzt er sich dafür ein, daß die riesige Region zwischen China und Rußland, dem Iran und Afghanistan nicht zur Kampfarena geopolitischer, um Öl und andere Bodenschätze ringender Interessengruppen oder zum Zankapfel engstirniger Chauvinisten und Fudamentalisten wird, sondern zum Ausgangsort für eine kulturelle Blüte der Völker, die die Brücke zu Europa und der Welt nicht einreißt, sondern festigt“. (Friedrich Hitzer in „Ferne Heimat Kirgisien“)

Anläßlich der Verleihung des Aleksandr-Men-Preises in Stuttgart beendete Atimatow seine Dankesrede mit folgenden Sätzen: „Bei der Suche nach gemeinsamen Wegen zum Universalismus als globale Konzeption der Weltentwicklung gibt es leider Verständnis- und Verständigungsschwierigkeiten, die um so größer werden, wenn man lautstark einen fatalen Zusammenstoß von Zivilisationen im anbrechenden Jahrhundert voraussagt. Man prophezeit somit eine Kollision von Kulturen, Religionen, Traditionen, Philosophien und Erkenntnissen, das heißt, von all dem, was das Wesen der verschiedenartigsten Zivilisationen auf unserem Planeten ausmacht.
Unter diesen Umständen wird klar, daß das Entgegensetzen von ‚unser‘ und ‚fremd‘ nicht das Gescheiteste ist. Im Gegenteil, nur die Suche nach Möglichkeiten für gegenseitige Bereicherung und Veredelung kann bessere Bedingungen für eine Koexistenz der Zivilisation auf Makro- und Mikroebene sichern.

Die Erarbeitung solcher Möglichkeiten geschieht aber aufgrund der täglichen Praxis. Es gilt, eine Kultur des Dialogs von Zivilisationen aufzubauen, Praktiken und Verfahren einer solchen dialogischen Koexistenz zu erarbeiten und die Ethik eines solchen Dialogs abzustimmen, wobei das Wertvolle und Eigenartige jeder Zivilisation zum Wohle des Humanismus und der Kultur hervorgehoben werden.“

Der Schriftsteller und langjährige persönliche Freund Aitmatows hat in seiner Laudatio auf den Preisträger diese Grundausrichtung im Werk Aitmatows und während seines ganzen Lebens in eindrucksvoller Weise aufgezeigt. Ihm besonders sei an dieser Stelle gedankt. Dankbar verpflichtet wissen sich die den Preis tragenden Kultureinrichtungen auch in besonderer Weise der Landeskreditbank des Landes Baden-Württemberg, in deren Räumlichkeiten jedes Jahr die feierliche Preisverleihung stattfinden kann, und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die jeweils das Preisgeld stiftet.


Grußwort Bischof Kasper

Stuttgarter Zeitung

Rede des Preisträgers