01.08. bis 04.08.2016, Mo 15:00 Uhr, bis Do 13:00 Uhr, Weingarten
Philosophische Sommerwoche
Körper, Zahl und Zeit
Die Zeichen der Natur und die Frage nach dem Sinn
Seit 100 Jahren wird zum Sommer an der Uhr gedreht: eine Stunde vor, eine zurück. Zeit ist gesellschaftlich geordnet. Die Chronobiologie lehrt uns aber auch, dass es eine Eigenzeit gibt. Der religiöse Kalender hatte noch Eigenzeit, Lebenszeit und natürlichen Zeitrhythmus (Weltzeit) miteinander verzahnt. Wie hängen Natur und Vernunft, Sein und Sinn, Zeit und Zahl zusammen? In welcher Zeitordnung müssen wir leben, damit wir nicht fremd werden in einem "sinnabweisenden Universum"?

Downloads zur Veranstaltung

  • Markus Enders: Menschsein im Spielfeld von Endlichkeit und Unendlichkeit, Zeitlichkeit und Ewigkeit – zu Bernhard Weltes (1906–1984) religionsphilosophischer Deutung des menschlichen Daseins und ihrer existenziellen Relevanz (Tagungsbeitrag, Download)
  • Klaus W. Hälbig: "Die Zeit ist erfüllt". Zeit und Zahl in der Bibel (Tagungsbeitrag, Download)
  • Regine Kather: Die Dynamik des Lebens als Teil der kosmischen Ordnung.
    Zahl und Zeit von Platon bis zu Hildegard von Bingen. (Tagungsbeitrag, Download)
  • Regine Kather: ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘
    Zum Zusammenspiel biologischer Rhythmen mit sozialen und existentiellen 
    Dimensionen der Lebenszeit (Tagungsbeitrag, Download)
  • Philipp Richter: Leibnitz, Newton, Kant – Philosophische Zeitbegriffe in der Neuzeit (Tagungsbeitrag, Download)
  • Philipp Richter: Sinn und Sterblichkeit – Existenzphilosophie 
    im 20. Jahrhundert (Tagungsbeitrag, Download)

Philosophische Sommerwoche

© Ines Rombach, "Im Aufbruch begriffen", Acryl, 2013

Körper, Zahl und Zeit

Die Zeichen der Natur und
die Frage nach dem Sinn

1. bis 4. August 2016
Tagungshaus Weingarten



Körper, Zahl und Zeit

Die Afrikaner haben sie, die geschäftigen Mitteleuropäer eher nicht: Zeit. Der Staat hat sogar "die" Zeit, denn er stellt sie zweimal im Jahr um: eine Stunde vor, eine zurück. Eingeführt wurde die ?Sommerzeit erstmals vor hundert Jahren 1916 vom Deutschen Reich aus strategisch-militärischen Gründen. Aber die Zeit ist nicht nur gesellschaftlich organisiert, sondern jeder hat auch seine ?innere Uhr, seine Eigenzeit. Diese wiederum hängt zusammen mit den natürlichen Rhythmen des Umlaufs von Sonne und Mond, die über Tag und Nacht ?herrschen.

Der kirchliche Festkalender synchronisiert auf komplexe Weise Eigenzeit, gesellschaftliche Zeit und Natur- oder Weltzeit. Doch dieser Kalender verliert immer mehr an prägender Kraft, auch wenn die Woche noch aus sieben Tagen und die Jahre aus zwölf Monaten bestehen und Feste wie Weihnachten und Ostern noch im allgemeinen Bewusstsein verankert sind. Die traditionelle Zeitkultur weicht immer mehr einer Non-Stop-Gesellschaft.

Ohne eine Ordnung der Zeit, die zwischen Tag und Nacht, Arbeit und Ruhe (Fest, Feier, Gebet, Kontemplation) unterscheidet, beginnt die Zeit zu "schwirren", wie der Philosoph Byung-Chul Han in seinem Essay "Duft der Zeit" sagt. Die "Kunst des Verweilens", der Muße, des kontemplativen Schauens (?Theoria) der Wahrheit, geht durch die Verabsolutierung der Arbeit verloren. Der Mensch ist zum "Arbeitstier" (animal laborans) geworden.

Schon Friedrich Nietzsche klagte: "Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen ..., das beschauliche Element in großem Maße zu stärken." Das gilt noch sehr viel mehr für unsere Zeit, die geprägt ist von der Un-Ruhe als ihrer Signatur, getrieben von der Gier nach immer mehr sowie der Sorge und Angst um den Verlust des Erreichten.

Die Zeit ist nicht einfach ?objektiv gegeben, sie ist vielmehr ein nicht-gegenständlicher Gegenstand, subjekt-objektiv, als Ordnung vorgegeben und auch konstruiert durch den menschlichen Geist und sein Zeit-Bewusstsein, das erst die Kontinuität im vergänglichen Erleben herstellt. Im Lauf der Geistesgeschichte aber war dieses Zeit- und damit auch Körperbewusstsein ganz unterschiedlich ausgeprägt.

So haben Denker wie Platon, Aristoteles, Plotin, Augustinus, Cusanus, Newton, Kant, Einstein, Husserl oder Heidegger durchaus verschieden und gegensätzlich über den Zusammenhang von Natur und Vernunft, Zeit und Zahl, Sein und Sinn nachgedacht. Das gilt erst recht für andere Kulturkreise wie etwa dem chinesischen. Dem soll bei der Philosophischen Sommerwoche nachgegangen werden.



Montag, 1. August 2016


Ab 15.00

Anreise und Kaffee


16.00 Uhr

Einführung in die Philosophische Sommerwoche

Dr. Klaus W. Hälbig, Stuttgart


16.15 Uhr

Mensch - Architektur - Kosmos

Maß und Zahl im Kirchenbau

Prof. Dr. Paul Naredi-Rainer, Innsbruck


19.30 Uhr

Öffentliches Harfen-Konzert

Jahreszeiten in Spätromantik und Barock
Basilika Weingarten

Eva Maria Bredl, Göppingen

Dienstag, 2. August 2016


9.00 Uhr

Augustins Zeitanalyse (Confessiones XI)

Zwischen Zeiterleben und objektiver Zeitlichkeit

Prof. Dr. Johannes Brachtendorf, Tübingen


11.30 Uhr

Ist die Zeit real?

Einstein und der philosophische Zeitbegriff

Prof. Dr. Johannes Brachtendorf, Tübingen


14.30 Uhr

Die zehntausend Dinge

Naturanschauung in China und im Abendland

Prof. Dr. Wolfgang Kubin, Bonn


16.30 Uhr

Zeitbewusstsein und Subjektivität

Im chinesischen und im abendländischen Denken

Prof. Dr. Wolfgang Kubin, Bonn


19.30 Uhr

Die Reichskrone

Edelsteine, Form und Zahl - Kleinod der Goldschmiedekunst
Ein Werkstatt-Gespräch

Doris Raymann-Nowak, Spraitbach

Mittwoch, 3. August 2016


7.45 Uhr

Morgenimpuls Kapelle


9.00 Uhr

Die Dynamik des Lebens als Teil der kosmischen Ordnung

Zahl und Zeit von Platon bis zu Hildegard von Bingen

Prof. Dr. Regine Kather, Freiburg


10.30 Uhr

?Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Biologische Rhythmen und die sozialen und existentiellen
Dimensionen der Lebenszeit

Prof. Dr. Regine Kather, Freiburg


14.30 Uhr

Leibniz, Newton, Kant

Philosophische Zeitbegriffe in der Neuzeit

Dr. Philipp Richter, Tübingen


16.30 Uhr

Sinn und Sterblichkeit

Existenzphilosophie im 20. Jahrhundert

Dr. Philipp Richter, Tübingen


[Fakultativ - nicht im Preis inbegriffen]
20.30 Uhr

Berthold Brecht
"Leben des Galilei"

Klosterfestspiele Weingarten

Donnerstag, 4. August 2016


9.00 Uhr

Überzeitliches Ursprungsgeschehen

Eins-Sein bei Meister Eckhart: Metaphorik oder Metaphysik?

Siegfried Rombach M. A., Kirchzarten


10.30 Uhr

"Die Zeit ist erfüllt"

Zeit und Zahl in der Bibel

Dr. Klaus W. Hälbig, Stuttgart


12.30 Uhr

Mittagessen und Ende der Tagung



Referenten/-innen


Prof. Dr. Johannes Brachtendorf, Tübingen

(*1958), Studium der Philosophie, Katholischen Theologie, Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in Bochum, Berlin, Regensburg, Wien und Tübingen; seit 2004 Lehrstuhl für philosophische Grundfragen der Theologie, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen.


Eva Maria Bredl, Göppingen

Musikstudium in Stuttgart; Orchestertätigkeiten, unter anderem an den Opernhäusern Lübeck, Oldenburg und Kiel; im süddeutschen Raum als freischaffende Harfenistin tätig sowie Lehrtätigkeit an verschiedenen Musikschulen im Fach Harfe.


Prof. Dr. Regine Kather, Freiburg

(*1955), Studium der Philosophie, Physik und Religionswissenschaften in Freiburg, Basel und Paris; 1997 Habilitation in Philosophie an der Universität Freiburg; seit 2004 Professorin an der Universität Freiburg.


Prof. Dr. Wolfgang Kubin, Bonn

(*1945), Studium der Evangelischen Theologie, Japanologie, Sinologie, Philosophie und Germanistik in Münster, Wien und Bochum; 1991 Habilitation über die Entwicklung der Naturanschauung in der klassischen chinesischen Literatur, 1995 Prof. für Sinologie in Bonn; seit 2011 Senior Professor an der Beijing Foreign Studies University.


Prof. Dr. Paul Naredi-Rainer, Innsbruck

(*1950), Studium der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Archäologie und Philosophie in Graz und Bonn; 1982 Habilitation für allgemeine Kunstgeschichte; seit 1988 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck.


Doris Raymann-Nowak, Spraitbach

(*1946), Gold- und Silberschmiedemeisterin; Werkstatt Schmuck + Gerät in Spraitbach.


Dr. Philipp Richter, Tübingen

(*1984), Studium der Philosophie und Geschichte in Stuttgart; 2013 Promotion zum Dr. phil; 2014 bis 2016 Wiss. Koordinator eines Forschungsprojekts im Tübinger Ethikzentrum (IZEW); seit 4/2016 Wiss. Mitarbeiter am Institut für Philosophie der TU Darmstadt.


Siegfried Rombach M. A., Kirchzarten

(*1961), Studium der Philosophie, Katholischen Theologie, Religionsgeschichte und Biologie in Freiburg und Tübingen; Dozent für Philosophie an der Fachakademie für Pastoral und Religionspädagogik Freiburg; Leiter des Bildungswerks in Gegenbach.



Tagungsleitung


Dr. Klaus W. Hälbig
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart








Bitte beachten:

Falls Sie einen Theaterbesuch wünschen, bitte in der Anmeldung vermerken!



Zur Teilnahme


Tagungskosten

- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 300,00 EUR
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 285,00 EUR
- ohne Übernachtung/Frühstück 207,00 EUR
Ermäßigt
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 219,00 EUR
- ohne Übernachtung/Frühstück 147,00 EUR


Anmeldung und Rückfragen

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Geschäftsstelle -
Assistenz: Anna Fröhlich-Hof M.A.
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640-767 ; Fax: +49 711 1640-777
E-Mail: froehlich-hof@akademie-rs.de

Die Anmeldung zur Tagung erbitten wir schriftlich (Anmeldekarte, Fax, E-Mail) spätestens bis 15.07.2016. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bitte kommen Sie nicht unangemeldet zur Tagung! Bei Rücktritt von der Anmeldung vom 16.-31.7.2016 (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen den Tagungsbeitrag in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person befreit von den Stornogebühren.


Tagungshaus und Anreise

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Tagungshaus Weingarten -
Kirchplatz 7, 88250 Weingarten
Tel: +49 751 5686 0; Fax: +49 751 5686 222

Anreise: Mit der Bahn bis Ravensburg, dann mit dem Bus Linie 1 bis Weingarten "Post", bei der Basilika geht es durch den linken Torbogen zur Rückseite der Klosteranlage. Mit dem PKW auf der B30 (Ulm - Friedrichshafen), Abfahrt "Weingarten", dann der Beschilderung "Kath. Akademie" folgen. Im Innenhof und seitlich des Tagungshauses stehen begrenzt kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Um auf den Parkplatz zu gelangen, muss an der Rezeption ein Parkschein abgeholt werden. Auf dem äußeren Klosterhof stehen weitere Parkplätze zur Verfügung zum Tagespreis von 3,00 EUR. Von 18 Uhr - 8 Uhr und am Wochenende ist das Parken kostenlos. Außerhalb der Markierungen ist absolutes Park- und Halteverbot. Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden abgeschleppt.
Der Flughafen Friedrichshafen liegt 20 km entfernt; er ist unmittelbar an die Bahnlinie angeschlossen.

Hinweis für unsere Gäste: Durch die Unterbringung von Flüchtlingen im Gästehaus der Akademie müssen wir teilweise Zimmer in externen Hotels anbieten, wofür wir auf Verständnis hoffen. Mit der Einrichtung eines Shuttleservice wollen wir die damit entstehenden Unannehmlichkeiten so gering wir möglich halten.