Dissertation



Gegner im 1. Johannesbrief?Hansjörg Schmid

Gegner im 1. Johannesbrief?

Zu Konstruktion und Selbstreferenz im johanneischen Sinnsystem

(Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament 159)
Stuttgart: Kohlhammer 2002
ISBN 3-17-017599-8


Die Exegese des 1. Johannesbriefes wird weitgehend von der Gegnerfrage dominiert. Allerdings ist nur an zwei Stellen in 1 Joh explizit von Gegnern die Rede (2,18-27; 4,1-6). Außerdem ist die Rückfrage nach der Identität der Gegner aus erkenntnistheoretischer Sicht problematisch. Die Arbeit entwirft deshalb in Auseinandersetzung mit Intertextualität, radikalem Konstruktivismus und Niklas Luhmanns Systemtheorie ein neuartiges Textmodell und wendet es auf 1 Joh an. Damit legt sie einen neuen Schlüssel für die 1 Joh-Auslegung und für das Verständnis von Abgrenzungsprozessen vor: Die Konstruktion von Gegnern wird als selbstreferentielles Abgrenzungsphänomen des johanneischen Sinnsystems und damit als eine Strategie der Identitätsbildung aufgefasst. Das apokalyptische Gegnerszenario und die Leugnung des Christusbekenntnisses sind funktional auf das ethische Hauptthema von 1 Joh hingeordnet und spielen auf die im Johannesevangelium breiter entfaltete christologische Auseinandersetzung an. Als Grunddokument christlicher Existenz steht 1Joh gleichberechtigt neben dem Johannesevangelium. Beide Schriften erhellen sich wechselseitig. Damit wird der 1. Johannesbrief aufgewertet. Dies hat nachhaltige Folgen für Predigt und Katechese, wo 1 Joh zu Unrecht ein Schattendasein fristet.

Rezensionen:
Sjef van Tilborg, in: Tijdschrift voor Theologie 43 (2003), S. 199
Wolfgang Feneberg, in: Studien zum Neuen Testament und seiner Umwelt 28 (2003), S. 255-257
David Alavarez Cineira, in: Estudios Augostinos 38 (2003), S. 430
Klaus Scholtissek, in: Theologische Revue 100 (2004), Sp. 483-486
Judith Lieu, in: Journal of Theological Studies (2004)
Jörg Frey, in: Biblische Zeitschrift 46 (2005)