13.12.2006, Mi 19:30 Uhr, bis 21:30 Uhr, Linden-Museum Stuttgart
Koranunterricht auf Deutsch. Sprachwechsel - Konfliktstoff im Moscheeverein?
Auch Koranschulen unterliegen dem Wandel, zumal eine Reihe von Moscheevereinen inzwischen fest in der hiesigen Gesellschaft verwurzelt sind und sich nicht mehr ausschließlich am Herkunftsland orientieren. Die von bosnischen Muslimen gegründete Islamische Gemeinschaft Stuttgart ist einer der ersten Vereine, die Koranunterricht in deutscher Sprache anbieten. Welche Transformationen und Brüche ergeben sich durch den Sprachwechsel? Welche Perspektiven ergeben sich daraus für das Miteinander von Muslimen mit verschieden nationalem Hintergrund in Deutschland?

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Koranunterricht
auf Deutsch

Sprachwechsel -
Konfliktstoff im Moscheeverein?

13. Dezember 2006
Linden-Museum Stuttgart


In Zusammenarbeit mit der
Islamischen Gemeinschaft Stuttgart

Koranunterricht auf Deutsch

"Imame sollen auf Deutsch predigen." - "Islamkunde darf nicht den Koranschulen überlassen werden." So zwei Schlagzeilen der aktuellen Islamdebatte. Im Hintergrund steht die Erfahrung, dass sich der Islam in Deutschland noch über weite Strecken auf Arabisch, Türkisch oder Bosnisch artikuliert. Im Migrationskontext ist auch die religiöse Unterweisung in der Moschee klassischerweise an die Herkunftssprache gebunden. Dies erweist sich desto mehr als ein Hindernis, je stärker Integration allein mit Sprache verknüpft wird. So verbinden manche mit der Einführung islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache (wie im Rahmen eines Schulversuchs an zwölf Schulen in Baden-Württemberg) die Hoffnung, dass nicht mehr ausschließlich Koranschulen für religiöse Unterweisung zuständig sind. Allerdings haben schulischer Religionsunterricht und Koranschulen verschiedene Funktionen. Beide können sich gegenseitig ergänzen und befruchten.

Auch Koranschulen unterliegen dem Wandel, zumal eine Reihe von Moscheevereinen inzwischen fest in der hiesigen Gesellschaft verwurzelt sind und sich nicht mehr ausschließlich am Herkunftsland orientieren. Die von bosnischen Muslimen gegründete Islamische Gemeinschaft Stuttgart ist einer der ersten Vereine, die Koranunterricht in deutscher Sprache anbieten. Seit 2003 gibt es eine deutschsprachige Kindergruppe, die inzwischen von über 90 Kindern besucht wird und weit über die Gruppe bosnischer Muslime hinaus auf Interesse stößt. Der Weg der Islamischen Gemeinschaft Stuttgart hin zu diesem mutigen Schritt sowie Erfahrungen aus der Arbeit mit den Kindern sollen an diesem Abend vorgestellt werden. Das konkrete Beispiel ist zudem Anlass zum Nachdenken darüber, wie eng Sprache und Religion aneinander gekoppelt sind: Welche Transformationen und Brüche im Bereich des Glaubens und religiöser Symbole ergeben sich durch den Sprachwechsel in der Migrationssituation? Werden aus arabischen oder türkischen Muslimen, die diesen Unterricht besuchen bosnische Muslime in deutscher Sprache? Welche Perspektiven ergeben sich daraus für das Miteinander von Muslimen mit verschieden nationalem Hintergrund in Deutschland?



Mittwoch, 13. Dezember 2006

19.30 Uhr

Begrüßung und Einführung

19.40 Uhr

Kurzreferate

1. Untrennbarkeit von Sprache und Religion?

Religionswissenschaftliche Perspektiven

Dr. Silvia Kaweh

Vortrag

2. Sprachwechsel als Konfliktstoff?

Perspektiven islamischer Vereinigungen

Dr. Ferid Kugic

Vortrag

3. Deutsch als gemeinsame Sprache für Muslime mit unterschiedlicher Herkunft?

Perspektiven der pädagogischen Praxis

Emina Corbo-Me?ic

Vortrag

20.40 Uhr

Diskussion

21.30 Uhr

Ende der Veranstaltung



ReferentInnen

Dr. Silvia Kaweh, Islam-, Religionswissenschaftlerin und Soziologin, derzeit Referentin in der Erwachsenenbildung und Mitarbeiterin am Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, Autorin des Buches "Integration oder Segregation. Religiöse Werte in muslimischen Printmedien" (Nordhausen 2006)

Dr. Ferid Kugic, Kinderchirurg, geboren in Bosnien, seit 1978 in Deutschland, seit 1992 Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Stuttgart e.V., Mitglied im Vorstand der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg e.V., Vertreter des Runden Tischs der Religionen in Stuttgart

Emina Corbo-Me?ic, Pädagogin und islamische Religionslehrerin, Lehrerin der deutschsprachigen Kindergruppe der Islamischen Gemeinschaft Stuttgart und Mitglied im Vorstand, war auch als beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Stuttgarter Gemeinderats



Tagungsleitung

Dr. Hansjörg Schmid, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Arbeitsschwerpunkt christlich-islamischer Dialog, Leiter des Projekts "Gesellschaft gemeinsam gestalten. Islamische Vereinigungen als Partner in Baden-Württemberg"

Information zum Projekt "Gesellschaft gemeinsam gestalten. Islamische Vereinigungen als Partner in Baden-Württemberg":

Auch nach einem mehr als 40jährigen Einwanderungsprozess nach Deutschland ist das Zusammenleben von Mehrheit und eingewanderten muslimischen Minderheiten immer noch von wechselseitiger Unkenntnis und Distanz geprägt. Ungeklärt ist, welche Stellung der islamischen Religion in unserer Gesellschaft zukommen soll.
Daher wurde das Projekt "Gesellschaft gemeinsam gestalten. Islamische Vereinigungen als Partner in Baden-Württemberg" ins Leben gerufen. Es soll darin untersucht werden, in welcher Vielfalt und Intensität Beziehungen zwischen islamischen Vereinigungen und ihrem Umfeld auf lokaler bzw. regionaler Ebene bereits existieren.
Zentraler Bestandteil des Projekts ist die aktivierende Einbeziehung der islamischen Vereinigungen, aber auch der kirchlichen und politischen Gesprächspartner und Institutionen. Insbesondere sollen die Bedingungen analysiert werden, die für Austausch und tragfähige Zusammenarbeit förderlich bzw. hinderlich sind. Leitidee dabei ist, dass Kontakte, Austausch und Kooperationen gerade auch zwischen islamischen Gruppen (Moscheevereine, Kulturzentren, Bildungsinitiativen, Elternvereine u.a.) und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen für eine gemeinsame Zukunft fundamental sind.

Weitere Informationen: www.akademie-rs.de/698.html



Organisatorisches

Teilnahme

Die Teilnahme ist kostenfrei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veranstalter

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Im Schellenkönig 61
70184 Stuttgart
Referatsassistenz: Anna Fröhlich-Hof M.A.
Telefon 0711 1640-722, Fax -822
E-Mail: froehlich-hof@akademie-rs.de
Auf Anfrage ist eine Übernachtung im Tagungshaus der Akademie möglich.

Islamische Gemeinschaft Stuttgart
Glockenstr. 6
70376 Stuttgart
Telefon 0711 9561103

Tagungsort

Linden-Museum Stuttgart
Staatliches Museum für Völkerkunde
Hegelplatz 1
70174 Stuttgart
Tel. 0711/2022-3
www.lindenmuseum.de
Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung "...mehr als nur Gäste - demokratisches Zusammenleben mit Muslimen in Baden-Württemberg", die das Linden-Museum Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung vom 25.11.2006 bis 25.3.2007 zeigt.

Das Linden-Museum befindet sich etwa 10 Gehminuten vom Stuttgarter Hauptbahnhof. Vom Hauptbahnhof aus halten die Buslinien 40 (Richtung Vogelsang) und 42 (Richtung Schreiberstraße) direkt am Linden-Museum (Haltestelle Hegelplatz/Linden-Museum).
Mit dem Auto orientieren Sie sich zunächst am Stuttgarter Hauptbahnhof. Von da ab folgen Sie den Hinweisschildern zum Katharinenhospital, das sich auf der rechten Seite der Kriegsbergstraße befindet. Die Kriegsbergstraße mündet nach wenigen hundert Metern im Hegelplatz, an dem das Linden-Museum liegt. Das Linden-Museum verfügt über keinen eigenen Parkplatz. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Tiefgaragen des Katharinenhospitals und der Liederhalle.