26.06. bis 27.06.2010, Sa 14:00 Uhr, bis So 12:30 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Die fünf geistlichen Sinne
Ganzheitliche Gotteserfahrung in der christlichen Mystik
Lässt sich das Göttliche sehen, hören, schmecken, riechen, umarmen? Christliche Mystiker als Meister ganzheitlicher Gotteserkenntnis und Gebetserfahrung waren davon überzeugt. Kann ihre Erfahrung heute zu einem sinnenfrohen Glauben verhelfen, zu einer neuen Be-sinnlichkeit?

Downloads zur Veranstaltung

  • Dr. Karl-Heinz Neufeld SJ, Osnabrück: 
    "Fähig, unseren Schöpfer und Herrn zu berühren". Die "Anwendung der Sinne" in den ignatianischen Exerzitien und ihre spiritualitätsgeschichtlichen Quellen (Vortrag, Download)
    Das Gottdenken beginnt in der Gotteserfahrung. Mystisches "Gott-fühlen" (sentire Deum) bei Hugo und Karl Rahner sowie Hans Urs von Balthasar (Vortrag, Download)
  • Prof. Dr. Marianne Schlosser, Wien:
    Sinn für das Göttliche. Lehre von den "Sinnen der Seele" im frühen Christentum (Vortrag, Download)
    Die geistlichen Sinne bei Bonaventura (Vortrag, Download)

Kupferstich *Rühre mich nicht an*, (c) Kunstsammlungen des Bistums Regensburg

Die fünf geistlichen Sinne

Ganzheitliche Gotteserfahrung in der christlichen Mystik

 

26. - 27. Juni 2010
Tagungshaus Hohenheim

 

 

"Entflamme Sinne und Gemüt, dass Liebe unser Herz durchglüht…" Diese im Kirchenlied in der Pfingstzeit vielfach gesungene Bitte an den Heiligen Geist bringt die Sinne ins Spiel, die bei jeder Erkenntnis und Erfahrung beteiligt sind. Immanuel Kant denkt Sinnlichkeit und Verstand als komplementäre Elemente einer Erfahrungsganzheit, bezogen auf Raum und Zeit. Lässt sich aber auch der transzendente Gott mit den Sinnen erfassen?

Die Bibel erzählt von solchen Gotteserfahrungen in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Der erste Johannesbrief formuliert programmatisch: "Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens." Für den frühchristlichen Exegeten Origenes von Alexandrien ist das reine Herz das Organ zur Wahrnehmung der göttlichen, spirituellen, geistigen Wirklichkeiten. Im Unterschied zu Origenes werden bei Bonaventura körperliche und geistliche Sinne nicht gegenübergestellt, sondern innerlich verbunden. Bei dem Franziskanertheologen drückt sich darin die wiederhergestellte Erkenntnisfähigkeit des erlösten Menschen aus.

In diesem Sinn greift auch Ignatius von Loyola die Lehre von den inneren Sinnen auf und empfiehlt in seinem Exerzitienbuch die "Anwendung der Sinne". Der Übende soll dadurch fähig werden, "unseren Herrn und Schöpfer zu berühren". Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieses Ernstnehmen der sinnlichen Wahrnehmung für die unmittelbare Gotteserfahrung durch Jesuiten wie Joseph Maréchal, Erich Przywara, Hugo Rahner und nicht zuletzt den jungen Karl Rahner wiederentdeckt. Auf der Tagung soll solchen ganzheitlichen Gotteserfahrungen nachgegangen werden im Hinblick auf eine Revitalisierung der mystischen Tradition, die kein Gegensatz zum Glauben im Heiligen Geist ist, sondern dasselbe.

 

 

Programm

Samstag, 26. Juni 2010

 

14.00 Uhr

Begrüßung und Einführung

 

14.15 Uhr

"Leiblichkeit - das Ende aller Wege Gottes"

Die theosomatische Dimension christlicher Spiritualität

Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden

 

15.30 Uhr

Kaffeepause

 

16.00 Uhr

Sinn für das Göttliche

Die Lehre von den ,Sinnen der Seele‘ im frühen Christentum

Prof. Dr. Marianne Schlosser, Wien

 

17.45 Uhr

Eucharistiefeier und Predigt

Dr. Gotthard Fuchs, Wiesbaden

 

18.45 Uhr

Abendessen

 

20.00 Uhr

"Fähig, unseren Schöpfer und Herrn zu berühren"

Die ,Anwendung der Sinne‘ in den ignatianischen Exerzitien und ihre spiritualitätsgeschichtlichen Quellen

Dr. Karl-Heinz Neufeld SJ, Osnabrück

 

 

Sonntag, 27. Juni 2010

 

8.00 Uhr

Frühstück

 

9.00 Uhr

Theologie als "affektive" Wissenschaft

Die geistlichen Sinne bei Bernhard von Clairvaux und Bonaventura

Prof. Dr. Marianne Schlosser, Wien

 

10.30 Uhr

Kaffeepause

 

11.00 Uhr

Das Gottdenken beginnt in der Gotteserfahrung

Mystisches "Gott-fühlen" (sentire Deum) bei Hugo und Karl Rahner sowie Hans Urs von Balthasar

Dr. Karl-Heinz Neufeld SJ, Osnabrück

 

12.30 Uhr

Mittagessen / Ende der Tagung

 

 

 

Tagungsleitung

 

Dr. Klaus W. Hälbig
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 


Zum Bild
Der Kupferstich "Rühre mich nicht an", der auf den flämischen Maler Bartholomäus Spranger zurückgeht (ausgeführt von Aegidius Sadeler), zeigt die Szene der Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena, die zunächst glaubt, es sei der Gärtner. Nachdem sie sich zweimal umgewandt hat, erkennt sie Jesus und will ihn festhalten, er aber sagt ihr: Halte mich nicht fest - noli me tangere (Joh 20,14-17). Maria Magdalena ist in der spirituellen Tradition Bild für die Gott liebende und suchende Seele, die einem Garten gleicht wie die ''Braut’ im Hohelied der Liebe, die sich auch zweimal umwendet (vgl. Hld 7,1).

 

 

Referentin/Referenten

 

Gotthard Fuchs, Wiesbaden
(* 1938), Dr. phil., Studium der Philosophie, Theologie und Pädagogik, Priesterweihe 1963 in Paderborn, Assistenten-Tätigkeit an den Universitäten Münster und Bamberg mit Schwerpunkten systematische und ökumenische Theologie, 1983 bis 1997 Direktor der Katholischen Akademie Rabanus-Maurus der Diözesen Fulda, Limburg und Mainz, seitdem Ordinariatsrat für Kultur, Kirche und Wissenschaft in den Bistümern Limburg und Mainz. Durchlaufend Seelsorge-, Bildungs- und Beratungsarbeit, Lehraufträge und Vorträge, zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zum Schwerpunkt "Geschichte und Gegenwart christlicher Spiritualität im interreligiösen Gespräch".

 

Karl H. Neufeld SJ, Osnabrück
(*1939), Dr. theol., 1960 Eintritt in den Jesuitenorden, nach dem Studium der Philosophie und Theologie in München und Lyon Doktoratsstudium in Paris, zwei Jahre wissenschaftlicher Assistent bei P. Karl Rahner in München, Mitarbeit bei den "Stimmen der Zeit" und Spiritual im Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom, danach Habilitation in Innsbruck und Lehrtätigkeit als Theologieprofessor an der Gregoriana in Rom von 1978 bis 1989. Von 1989 bis 2007 Professor an der Universität Innsbruck, anschließend Spiritual im Priester-Seminar zu Osnabrück. Schwerpunkte u.a.: Ökumene - französische Theologie - Fundamentaltheologie - Theologie der Religionen.

 

Marianne Schlosser, Wien
(*1960), Dr. theol., Studium der lateinischen Philologie und Katholischen Theologie, Universität München; 1989 Promotion mit einem Thema zur Gotteserfahrung nach Bonaventura; 1998 Habilitation im Fach Dogmengeschichte und Dogmatik zum Prophetiebegriff in der scholastischen Theologie. Von 1985 bis 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Martin-Grabmann-Forschungsinstitut in München, zuletzt als Akademische Rätin und Privatdozentin; seit 2004 Universitätsprofessorin und Institutsvorstand für Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

 

 

 

Zur Teilnahme

 

Tagungskosten

- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 99,00 EUR
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 94,00 EUR
- ohne Übernachtung/Frühstück 71,00 EUR
- ermäßigt im DZ (Studenten/Arbeitslose) 66,00 EUR
- ermäßigt ohne Übernachtung/Frühstück 46,00 EUR

 

 

Anmeldung und Rückfragen

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Geschäftsstelle -
Referatsassistentin: Gertrud Hoffmann
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Telefon: +49 711 1640 726; Telefax: +49 711 1640 826
E-Mail: hoffmann@akademie-rs.de

Die Anmeldung zur Tagung erbitten wir schriftlich (Anmeldekarte, Fax, E-Mail) spätestens bis zum 14. Juni. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bitte kommen Sie nicht unangemeldet zur Tagung! Bei Stornierung der Anmeldung zwischen 18. und 23. Juni (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen den Tagungsbeitrag in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person befreit von den Stornogebühren.

 

 

Tagungszentrum und Anreise

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Tagungszentrum Hohenheim -
Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart
Telefon: +49 711 451034 600, Telefax: +49 711 451034 898
E-Mail: hohenheim@akademie-rs.de

 

Das Tagungszentrum liegt in der Nähe der Universität Hohenheim. Von Stuttgart Hbf aus erreichbar mit der Stadtbahn (U 5, U 6) bis Möhringen, von dort Stadtbahn (U 3) bis Plieningen (Endstation). Bei Anreise mit der S-Bahn aus Richtung Süden kann schon in Stuttgart-Vaihingen in die U 3 gewechselt werden. Von der Stadtbahn-Endstation sind es noch etwa 300 Meter zu Fuß - zunächst weiter in Fahrtrichtung, im Kreuzungsbereich (Kreisverkehr) die Hauptstraße überqueren, dann nach wenigen Metern rechts in die Paracelsusstraße.

AutofahrerInnen, die über die Autobahn aus Richtung Ulm oder Karlsruhe anreisen, verlassen die Autobahn bei der Ausfahrt "Stuttgart-Hohenheim" in Richtung Plieningen (aus Richtung Karlsruhe Anreisende: 400 m nach dem Ortsschild "Stuttgart-Plieningen" scharf links in die Filderhauptstraße abbiegen). Sie bleiben auf der Filderhauptstraße durch Plieningen bis zum Kreisverkehr an der "Wirtschaft zur Garbe" mit der Abzweigung "Universität Hohenheim". Dort scharf rechts in die Paracelsusstraße abbiegen.

Vom Flughafen Stuttgart zum Tagungszentrum benötigen Sie
ca. 15 Auto-Minuten.