15.01. bis 16.01.2011, Sa 14:00 Uhr, bis So 12:30 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Die Madonna und der Mond
Kosmische Symbolik der Kirche und des Reiches Gottes
Das Bild der Madonna auf der Mondsichel, das auf die Vision von der Himmelsfrau in der Johannesapokalypse zurückgeht, findet sich bis heute in vielen Kirchen. Bei aller Konjunktur von Mondkalendern ist die tiefere Symbolik des Nachtgestirns mit seinen wechselnden Phasen von Schatten und Licht kaum bekannt. Sie reicht vom Urbild des Weiblichen über das Bild von Tod und Auferstehung (Ostern am Frühlings-Vollmond) bis zum zentralen Symbol der Kirche und des Reiches Gottes.

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Die Madonna und der Mond

Kosmische Symbolik der Kirche und des Reiches Gottes

 

 

15.-16. Januar 2011
Tagungszentrum Hohenheim

 

 

In der Geschichte des Marienbildes spielt das Motiv der gebärenden Himmelsfrau auf der Mondsichel aus der Johannes-Apokalypse (Offb 12,1) eine herausragende Rolle. In der Buchmalerei des 8. bis 10. Jahrhunderts wird das Bildthema auf die Kirche bezogen. Mit der Entfaltung der marianischen Frömmigkeit im 12. Jh. nahm die Apokalyptische Frau mehr und mehr Züge der Madonna an, woraus sich im 16. Jh. der Bildtypus der Maria Immaculata und der Madonna vom Sieg entwickelte.
In den antiken Kulturen gilt Luna mit ihrem Monatszyklus als "Urgrund aller Geburt" und kosmisches Urbild des Weiblichen. Zugleich sah man im Wechsel zwischen Licht und Schatten ein Bild der vergänglichen Körperwelt. Paulus vergleicht die Schöpfung mit einer Gebärenden in guter Hoffnung, die das Offenbarwerden der "Söhne Gottes" in der Auferstehung erwartet (Röm 8,19-22). Auferstehungssymbolik steht auch hinter dem Festdatum des jüdischen Osterfestes am 14. Tag des ersten Monats, "wenn der Mond voll ist und es somit am Ende dieses Tages keine Finsternis gibt" (J. Daniélou). Theophilus von Antiochien (2. Jh.) sagt, der Mond "verschwindet allmonatlich und stirbt sozusagen - ein Sinnbild des Menschen; dann wird er wiedergeboren und wächst wieder - ein Vorbild unserer künftigen Auferstehung". Nach Ambrosius von Mailand weist "das Leiden der Luna auf das große Geheimnis Christi hin, das ist das Mysterium des hl. Pascha".
Im ganzen 1. Jahrtausend war Luna zudem das Bild für die Kirche. Noch in der Vision der Juliana von Lüttich vom Vollmond (= Kirche) im Jahr 1209, wo ein ''Fleck’ das Fehlen eines eigenen Festes zu Ehren des eucharistischen Leibes und Blutes Christi anzeigt, ist dieser Zusammenhang greifbar. Im daraus entstandenen Fronleichnamsfest wird die Hostie in der Sonnen-Monstranz von der Lunula gehalten. Der Zusammenhang wird zudem deutlich in der "Rippe" Adams als Symbol der Mondsichel, aus der die "Mutter aller Lebendigen" regelrecht "gebaut" (Gen 2,22) wird wie das Heiligtum des Tempels. In diesem befindet sich die Bundeslade (Offb 11,19), die in der Lauretanischen Litanei Bild für Maria wird. So ergeben sich vielfältige symbolische Bezüge zwischen Luna, dem Weiblichen, dem Leiblichen und der Kirche (Leib Christi, Heiligtum).

 

 

 

Programm

 

Samstag, 15. Januar 2011

 

13.30 Uhr

Tasse Kaffee zur Anreise

 

14.00 Uhr

Begrüßung und Einführung

 

14.15 Uhr

Luna: "Urgrund aller Geburt"

Was uns Urbilder sagen - die Symbolik des Weiblichen in der Religionsgeschichte

Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden

 

15.30 Uhr

Kaffeepause

 

16.00 Uhr

Die Frau aus der "Rippe"

Die lunare Symbolik des Weiblichen in der Bibel

Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden

 

17.45 Uhr

Eucharistiefeier

Prof. Dr. Michael Schneider, Frankfurt

 

18.45 Uhr

Abendessen

 

20.00 Uhr

Die Johannes-Apokalypse im Bild

Beatus von Liébana (8. Jh.): Bilder von Heil und Unheil

Prof. Dr. Michael Schneider, Frankfurt

 

 

Sonntag, 16. Januar 2011

 

7.45 Uhr

Morgenimplus

 

8.00 Uhr

Frühstück

 

9.00 Uhr

Lichtfrau zwischen Sonne und Mond

Das "große Zeichen" und die offene Bundeslade im Zentrum der Johannes-Apokalypse

Prof. Dr. Beate Kowalski, Dortmund

 

10.30 Uhr

Kaffeepause

 

11.00 Uhr

Der Mond als Symbol des Reiches Gottes

Der Streit von Sol und Luna in der rabbinischen und kabbalistischen Tradition

Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Heidelberg

 

12.30 Uhr

Mittagessen / Ende der Tagung

 

 

 

Tagungsleitung

 

Dr. Klaus W. Hälbig
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

 

 

Referentinnen / Referenten

 

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden

(*1945), Studium der Philosophie, Germanistik und Politische Wissenschaften in München und Heidelberg, 1970 Promotion zum Dr. phil., 1979 Habilitation. Prof. für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, seit 1993 Inhaberin einer Professur für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden.

 

Beate Kowalski, Dortmund

(*1965), Studium der Kath. Theologie und Geschichte in Bochum, Referentin in der Kath. Erwachsenenbildung, 1995 Promotion im Fach Neues Testament, 2003 Habilitation zur Johannesapokalypse; Lehrstuhl-Vertretung in Paderborn und Limerick (Irland), Gastprofessorin in Jerusalem, 2006 Prof. für Exegese und Theologie des Neuen Testaments in Koblenz-Landau, seit 2008 an der Technischen Universität Dortmund.

 

Daniel Krochmalnik, Heidelberg

(*1956), Dr. phil., Professor für Jüdische Religionspädagogik an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Veröffentlichungen zur jüdischen Philosophie, Geistesgeschichte und Schriftauslegung, u.a. 2006: Im Garten der Schrift.

 

Michael Schneider, Frankfurt

(*1949), Studium der Philosophie und Kath. Theologie in Münster/W., Rom (Gregoriana), Wien und Freiburg/Br. 1981 Promotion in Wien. 1981 Eintritt in das Noviziat der "Gesellschaft Jesu". 1982-1984 Kaplan in Gießen; seit 1984 Spiritual am Priesterseminar Sankt Georgen in Frankfurt am Main. 1985-2000 Dozent für Spirituelle Theologie an der Universität Salzburg. 1991 Habilitation (Freiburg); Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Seit 1996 im Vorstand des Patristischen Zentrums Koinonia - Oriens e.V.; 1998 Leiter des Instituts für Dogmen- und Liturgiegeschichte; 2002 Großarchimandrit des Patriarchats von Antiochien.

 

 

 

Zur Teilnahme

 

Tagungskosten

- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 99,00 EUR
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 94,00 EUR
- ohne Übernachtung/Frühstück 71,00 EUR
- ermäßigt im DZ 66,00 EUR

- ermäßigt ohne Übernachtung/Frühstück 46,00 EUR

 

 

Anmeldung und Rückfragen

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Geschäftsstelle -
Referatsassistenz: Gertrud Hoffmann
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640 726; Fax: +49 711 1640 826
E-Mail: hoffmann@akademie-rs.de

Die Anmeldung zur Tagung erbitten wir schriftlich (Anmeldekarte, Fax, E-Mail) spätestens bis zum 4.1.2011. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bitte kommen Sie nicht unangemeldet zur Tagung! Bei Rücktritt von der Anmeldung zwischen 5. und 10.1. (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen den Tagungsbeitrag in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person befreit von den Stornogebühren.

 

 

Tagungszentrum und Anreise

 

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Tagungszentrum Hohenheim -
Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart
Telefon: +49 711 451034 600, Telefax: +49 711 451034 898

 

Das Tagungszentrum liegt in der Nähe der Universität Hohenheim. Von Stuttgart Hbf aus erreichbar mit der Stadtbahn (U5, U6) bis Möhringen, von dort Stadtbahn (U3) bis Plieningen (Endstation). Bei Anreise mit der S-Bahn aus Richtung Süden kann schon in Stuttgart-Vaihingen in die U3 gewechselt werden. Von der Stadtbahn-Endstation sind es noch etwa 300 Meter zu Fuß - zunächst weiter in Fahrtrichtung, im Kreuzungsbereich (Kreisverkehr) die Hauptstraße überqueren, dann nach wenigen Metern rechts ab in die Paracelsusstraße.

AutofahrerInnen, die über die Autobahn aus Richtung Ulm oder Karlsruhe anreisen, verlassen die Autobahn bei der Ausfahrt "Stuttgart-Hohenheim" in Richtung Plieningen (aus Richtung Karlsruhe Anreisende: 400 m nach dem Ortsschild "Stuttgart-Plieningen" scharf links in die Filderhauptstraße abbiegen). Sie bleiben auf der Filderhauptstraße durch Plieningen bis zum Kreisverkehr an der "Wirtschaft zur Garbe" mit der Abzweigung "Universität Hohenheim". Dort scharf rechts in die Paracelsusstraße abbiegen. Vom Flughafen Stuttgart zum Tagungszentrum benötigen Sie ca. 15 Auto-Minuten.

 

 

 

 

Vorschau

 

9.-10. April 2011, Stuttgart-Hohenheim, 14 Uhr
Den Sohn opfern?
Die "Bindung Isaaks" in der Liturgie der Osternacht

In den Bildprogrammen alter Kirchen, die alt- und neutestamentliche Szenen typologisch gegenüberstellen, findet sich parallel zum Bild der Kreuzigung häufig die Darstellung vom Opfer Abrahams oder der "Bindung Isaaks" (Genesis 22). Diese "abgründige" Geschichte gehört zu den Lesungstexten der Osternacht und gilt Theologen als Schlüssel zum Verständnis der christlichen Osterbotschaft. Welches Licht werfen jüdische Deutung, Kirchenväter und Liturgie auf diese dunkle biblische Opfer-Erzählung?