15.06. bis 16.06.2013, Sa 14:00 Uhr, bis So 12:30 Uhr, Stuttgart-Hohenheim
Ein Gott - drei Personen - drei obere Sefirot
Christliche und jüdische Mystik im Dialog
Das christliche Bild vom dreifaltigen Gott stellt aus jüdischer Sicht eine Verletzung des biblischen Bekenntnisses zu dem einen Gott dar. Die jüdische Mystik oder Kabbala hat ihrerseits das Symbolsystem des Sefirot-Baums entwickelt: Die zehn Eigenschaften oder Urkräfte Gottes erscheinen darin triadisch geordnet, wobei die drei oberen Sefirot (das göttliche Haupt) von den sieben unteren deutlich unterschieden sind. Christliche Kabbalisten zu Beginn der Neuzeit haben sie trinitarisch gedeutet. Welche Bezüge bestehen zwischen diesem triadischen Gottesbild und dem trinitarischen tatsächlich?
In Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Lehrhaus, Stiftung für interreligiösen Dialog

Downloads zur Veranstaltung

  • Dr. Gabriel Strenger, Jerusalem:
    Der Baum der zehn Sefirot - Sinn und Struktur des kabbalistischen Symbolsystems (Tagungsbeitrag, Download)

Ein Gott - drei Personen - drei obere Sefirot

Christliche und jüdische Mystik im Dialog 

15.-16. Juni 2013
Tagungszentrum Hohenheim


 

Ein Gott - drei Personen ...

Rabbi Moses Cordovero von Zefat (1522-1570) schreibt über die drei oberen Sefirot des kabbalistischen Lebensbaums, sie bezeichneten das Erkennen, den Erkennenden und das Erkannte, was beim Schöpfer im Unterschied zum Geschöpf eins ist: Indem der Schöpfer "sich erkennt und weiß, erkennt er alles, was ist. Gibt es doch nichts, das nicht mit ihm vereint wäre und was er nicht in seinem eigenen Wesen fände. Er ist der Typus allen Seins, und alle Dinge existieren in ihm als der reinsten und vollkommensten Form. Daher sind die Geschöpfe in dem Maße vollendet, in dem sie mit ihm, der Quelle ihres Seins, vereint sind. Je weiter sie sich von dieser Quelle entfernt haben, desto mehr fehlt ihnen dieser vollkommene und erhabene Zustand. So haben die Dinge dieser Welt ihre Form in den Sefirot, und die Sefirot haben ihre Form in ihrem göttlichen Urquell" (Pardes Rimmonim).
Das durch die Zahlen 3 und 4 strukturierte Symbolsystem des Lebensbaums vereint zehn (3 + 3 + 3 + 1) Hypostasen, Urkräfte oder göttliche Eigenschaften. An oberster Stelle stehen Keter (Krone, Licht der uranfänglichen Erkenntnis), Weisheit (Glanz der Einheit) und Einsicht (Verstand). Die unteren sieben Sefirot werden auch mit biblischen Namen und den sieben Schöpfungstagen verbunden: Gnade (Liebe; Abraham; 1. Tag), strenges Gericht (Gerechtigkeit; Isaak; 2. Tag), Herrlichkeit (Schönheit, Erbarmen; Jakob; 3. Tag). Die dritte Triade hat Sieg (Ewigkeit; Mose; 4. Tag), Glanz (Majestät; Aaron; 5. Tag) und Fundament (der gerechte Josef; 6. Tag). Die Gesamtsynthese bildet die zehnte Sefira Königreich (Haus Gottes; David; 7. Tag/ Sabbat).
Der ganze Baum steht auch für den himmlischen, makrokosmischen Urmenschen (Adam Kadmon) in der Gegensätzlichkeit von rechter und linker Seite (Gnade und Gericht), die auf der Mittelachse vermittelt und verbunden sind. Christliche Kabbalisten wie Pico della Mirandola oder Johannes Reuchlin sahen in den drei oberen Sefirot eine enge Analogie zur christlichen Trinität, also zu Vater, Sohn und Geist. Hat diese Sicht ihr Recht? Welche Bezüge bestehen zwischen dem triadischen Gottesbild des Sefirot-Baums und dem trinitarischen tatsächlich?


 

Samstag, 15. Juni 2013


14:00 Uhr

Begrüßung und Einführung

Dr. Klaus W. Hälbig, Akademiereferent
Dr. Michael Volkmann, Stiftung Stuttgarter Lehrhaus


14:15 Uhr

Zur Geschichte und Bedeutung der christlichen Kabbala 

Von Cusanus bis Aegidius von Viterbo

Görge K. Hasselhoff, Bochum  


15:30 Uhr

Kaffee


16:00 Uhr

Interpretationen der Sefirot durch christliche Kabbalisten

am Beispiel von Johannes Reuchlin

Görge K. Hasselhoff, Bochum  


17:45 Uhr

Eucharistiefeier

Provinzial Dr. Christian Rutishauser SJ, Zürich


18:30 Uhr Abendessen


19:30 Uhr

Ein Gott in drei Personen

Trinitätsglaube - Mystik des Monotheismus

Provinzial Dr. Christian Rutishauser SJ, Zürich

Sonntag, 16. Juni 2013


7:45 Uhr Morgenimpuls


8:00 Uhr Frühstück


9:00 Uhr

Der Baum der zehn Sefirot

Sinn und Struktur des kabbalistischen Symbolsystems

Dr. Gabriel Strenger, Jerusalem


10:30 Uhr Kaffeepause


11:00 Uhr

Einheit in der Dreiheit?

Christliche und jüdische Mystik im Dialog

Podiumsgespräch mit allen drei Referenten


12:30 Uhr

Mittagessen und Ende der Tagung


 

Referenten


Görge K. Hasselhoff

Studium der Ev. Theologie, Philosophie und Jüdischen Studien in Bielefeld-Bethel, Marburg, Heidelberg und Berlin; Dr. theol. 2004 (Heidelberg), Wiss. Mitarbeiter an den Universitäten Heidelberg und Bonn; Pfarrer (beurl.) der Evangelischen Kirche im Rheinland; seit 2008 Research Scholar (Fellow) im Käte Hamburger Kolleg „Dynamics in the History of Religions“ an der Ruhr-Universität Bochum; Lehrstuhlvertretung Religionswissenschaft (Uni Potsdam, WiSe 2011/12); Gastprofessuren in Brasilien (2011-2013). Arbeitsschwerpunkte: Kirchengeschichte; Geschichte der christlich-jüdischen Beziehungen; Religionsphilosophie.

 

Christian Rutishauser

(*1965) Studium der Theologie in Fribourg und Lyon; 1992 Eintritt in den Jesuitenorden; Studentenseelsorger in Bern, Doktoratsstudium in Judaistik in Luzern mit Aufenthalten in Jerusalem und New York; 2001 bis 2012 Bildungsleiter im Lassalle-Haus (bei Zürich), Arbeit im Bereich Spiritualität, Exerzitien und Kontemplation; Lehraufträge für Jüdische Studien an der Hochschule für Philosophie in München, an der Theologischen Fakultät Freiburg (CH) und an der Gregoriana in Rom; Mitglied der Jüdisch/Röm.-kath. Gesprächskommission der Schweizer und der Deutschen Bischofskonferenz; seit 2004 Delegationsmitglied in der Vatikanischen Kommission für die rel. Beziehungen mit dem Judentum beim Intern. Liaison Committee; seit 2012 Provinzial der Schweizer Jesuiten.


Gabriel Strenger

(*1965, Basel), Jüdische Studien in Montreux (Schweiz) und Israel. Studium der Philosophie (B.A.) und der Klinischen Psychologie (M.A.) an der Bar-Ilan Universität, Israel. Psychotherapeutische Ausbildung am Psychoanalytischen Institut in Jerusalem. Psychologische Praxis, Lehrbeautragter für Psychotherapie an der Hebrew University und am David Yellin College, Jerusalem. Referent u. a. am Züricher Lehrhaus; Schwerpunkte: Psychoanalyse, Kabbala, Chassidismus, jüdische Meditation und Spiritualität.


 

Tagungsleitung


Dr. Klaus W. Hälbig

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart


Vorschau

5. bis 8. August 2013 - Tagungshaus Weingarten
Philosophische Sommerwoche
Himmel, Mensch und Erde
Chinesische und westliche Weisheit im Dialog

Chinas traditionelle Religionen und Weltanschauungen, der Daoismus, der Buddhismus und der Konfuzianismus, lassen sich von der Vorstellung einer harmonischen Welt- und Gesellschaftsordnung leiten. Die Gegensätze von Himmel und Erde, Oben und Unten oder auch von Yang (Licht, Tag) und Yin (Dunkelheit, Nacht) soll der Mensch in sich zum Ausgleich bringen. Dabei gewinnt im "Reich der Mitte" der Gedanke der Mitte buchstäblich zentrale Bedeutung, was auch westlichem Weisheitsdenken nicht fremd ist.


 

Zur Teilnahme


Tagungskosten

- inkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 99,00 EUR
- inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 94,00 EUR
- ohne Übernachtung/Frühstück 69,00 EUR
- ermäßigt im DZ 69,00 EUR
- ermäßigt ohne Übernachtung/Frühstück 46,00 EUR


Anmeldung und Rückfragen

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Geschäftsstelle -
Referatsassistenz: Susanne Bair
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640-726 ; Fax: +49 711 1640-826 
E-Mail: bair@akademie-rs.de

Anmeldung bis spätestens 7. Juni. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bitte kommen Sie nicht unangemeldet zur Tagung. Bei Rücktritt von der Anmeldung bis 8 Tage vor Beginn fallen keine Stornogebühren an, ab 7 Tagen vor Tagungsbeginn (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen den Tagungsbeitrag in Rechnung. Bei Rücktritt am Vortag der Veranstaltung oder danach werden die vollen Kosten fällig. Ersatz durch eine andere Person befreit von den Stornogebühren.


Tagungshaus und Anreise

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
- Tagungszentrum Hohenheim -
Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart
Tel: +49 711 451034 600; Fax: +49 711 451034 898

Von Stuttgart Hbf aus erreichbar mit der Stadtbahn (U5, U6) bis Möhringen, von dort Stadtbahn (U3) bis Plieningen (Endstation). Bei Anreise mit der S-Bahn aus Richtung Süden kann schon in Stuttgart-Vaihingen in die U3 gewechselt werden. Von der Endstation sind es etwa 300 Meter - zunächst weiter in Fahrtrichtung, im Kreuzungsbereich (Kreisverkehr) die Hauptstraße überqueren, dann unmittelbar rechts in die Paracelsusstraße. Über die Autobahn aus Richtung Ulm oder Karlsruhe, verlassen die Autobahn bei der Ausfahrt "Stuttgart-Hohenheim" in Richtung Plieningen (aus Richtung Karlsruhe Anreisende: 400 m nach dem Ortsschild "Stuttgart-Plieningen" scharf links in die Filderhauptstraße abbiegen). Weiter auf der Filderhauptstraße durch Plieningen bis zum Kreisverkehr an der "Wirtschaft zur Garbe" Richtung "Universität Hohenheim". Dort scharf rechts in die Paracelsusstraße abbiegen. Vom Flughafen Stuttgart zum Tagungszentrum benötigen Sie ca. 15 Auto-Minuten.