Projekt Zwangsarbeit und katholische Kirche

PolenabzeichenEntschädigungsinitiative der katholischen Kirche

Die Nachforschungen nach ehemaligen Zwangsarbeitern hatten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Juli 2000 mit einem Schreiben des Bischöflichen Ordinariates an alle kirchlichen und caritativen Einrichtungen einschliesslich der Klöster begonnen. Begleitet wurde die Ermittlung durch das Diözesanarchiv. 

Jeder Zwangsarbeiter, der in einer Einrichtung in kirchlicher Verantwortung tätig war, sollte DM 5000,- erhalten. Der Deutsche Caritasverband wurde mit der Durchführung dieser Aufgabe beauftragt.

In der Folge wurden mehr als 50 kirchliche Einrichtungen bekannt, die in den Jahren 1939-1945 Zwangsarbeiter/innen beschäftigt haben. Etwa 321 Beschäftigungsverhältnisse sind bisher nachgewiesen, davon 234 ausländische Zivilarbeiter sowie über 87 Kriegsgefangene. 228 Personen sind namentlich identifiziert. 

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Dr. Gebhard Fürst hatte sich die Frage der Entschädigung sofort nach seinem Amtsantritt zu eigen gemacht und am 10. November 2000 die Daten der bisher ermittelten Personen an den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Hellmut Puschmann, in den Räumen des Kirchlichen Suchdienst zur weiteren Suche übergeben.

Bildung einer Kommission

Zur Klärung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde darüber hinaus im August 2000 eine Kommission gegründet, der hochrangige Wissenschaftler und Archiv-Fachleute aus dem kirchlichen und ausserkirchlichen Bereich angehörten. Die Geschäftsführung der Kommission lag bei der Akademie und wurde von Klaus Barwig und Dieter R. Bauer wahrgenommen.

Besuch ehemaliger Zwangsarbeiter in der DiözeseEntschädigung der noch lebend Gefundenen und Besuch in der Diözese

Bis zum Sommer 2001 konnten 13 Personen lebend ermittelt werden. Im Anschluss an die Auszahlung des Entschädigungsbetrages bat Bischof Fürst in einem persönlichen Schreiben die ehemaligen Zwangsarbeiter um Vergebung und lud sie zu einem dreiwöchigen Urlaubs- und Kuraufenthalt in die Diözese ein. Acht ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Alterr von 75 bis 84 Jahren konnten der Einladung noch Folge leisten und waren im Herbst zu Gast, zunächst für zwei Wochen zu einem Kuraufenthalt im Kloster Reute und anschließend in den Einrichtungen, in denen sie früher gearbeitet hatten. Den Abschluß bildete ein Empfang durch den Bischof. Inzwischen sind weitere Personen entschädigt worden.

Literaturhinweise


Tagungsdokumentation
Zwangsarbeit in der Kirche
Entschädigung, Versöhnung und historische Aufarbeitung
Barwig, Klaus / Bauer, Dieter R. / Hummel, Karl-Joseph (Hrsg.)
Stuttgart, 2001 - ISBN 3-926297-83-2
Preis: 12,00 EUR

(Publikation leider vergriffen)

Buch als E-Book

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Entschädigung für NS-Zwangsarbeit
Rechtliche, historische und politische Aspekte
Barwig, Klaus / Saathoff, Günter / Weyde, Nicole (Hrsg.)
Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden 1998
344 Seiten - ISBN 3-7890-5687-1
Preis: 26,00 EUR

(Publikation leider vergriffen)


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Materialien 2001/2
NS-Erlasse zu Zwangsarbeiter aus Beständen des Staatsarchivs Sigmaringen
Trugenberger, Volker/Zitter, Miriam (Bearb.)
Stuttgart, 2001 - ISSN 1435-3911
Preis: 15,00 EUR

(Publikation leider vergriffen)

Link zum Staatsarchiv Sigmaringen

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Weitere Informationen und Links zum Projekt Zwangsarbeit

Kommission

Definition "Zwangsarbeiter"

Statement Bischof Dr. Fürst

Statement Prälat Puschmann

Statement Msgr. Tripp

Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 16.02.2001

Pressemitteilung vom 11.02.2001