13.10.2016, Stuttgart-Hohenheim

Der „Gender Trouble“ als „Zeichen unserer Zeit“

Die Tagung zur Debatte um die Deutung der Geschlechtlichkeit vom 5.-6. Oktober im Tagungshaus Hohenheim stand unter dem Titel „Ist Gender eine Ideologie?“. Die Referierenden gingen dieser Frage in interdisziplinärer, interkultureller und internationaler Perspektive nach.

Vorstand AGENDA- Forum katholischer Theologinnen

102 Männer und Frauen aus der Pastoral, der Wissenschaft, der Bildungs- und Gleichstellungsarbeit, oder einfach thematisch interessierte Personen konnten teilnehmen. Die Tagung war eine Kooperationsveranstaltung zwischen den Akademien Rottenburg-Stuttgart, Aachen und Freiburg und AGENDA- Forum katholischer Theologinnen sowie dem Katholischen Deutschen Frauenbund.

Bereits eröffnend wurde ein grundlegendes Problem der Kategorie Gender aufgezeigt: Gender ist eine analytische und keine normative Kategorie. 
Hinsichtlich der Begriffe Sex und Gender wurde herausgearbeitet, dass beide zwar unterschieden werden müssen, dabei aber nicht voneinander getrennt werden dürfen. Im Apostolischen Schreiben „Amoris Laetitia“ (56) nimmt Papst Franziskus erstmals eine positive Beschreibung von Sex und Gender vor, die genau das betont. Aus philosophischer Perspektive wurde von Dr. Brigitte Buchhammer (Wien) entfaltet, dass es nicht um eine Verleugnung oder Ablehnung eines naturgegebenen Geschlechts gehe, sondern um komplexe Relationen von Natur und Kultur, die nicht mit einer Hierarchisierung der Geschlechter einhergehen darf. 

Prof. Dr. Kerstin Palm (Berlin)betonte aus biologischer und gendergeschichtlicher Perspektive das Zusammenspiel von biologischen und sozialen Faktoren und damit verbunden die Kontextsensibilität des Körpers. 
Auf dem abschließenden Podium wurden die „Gender Troubles“ als  „Zeichen unserer Zeit“, herausgestellt. Daraus erwachsen Aufgaben für Theologie und Kirche. Die Kirche, so Weihbischof Ludger Schepers, muss die Realitäten der Menschen ernstnehmen und ihre Lehre mit den Lebenswirklichkeiten vermitteln. Weihbischof Schepers plädiert deshalb für einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen Befürwortern und Kritikern. 


Ansprechpartner: Dr. theol. Verena Wodtke-Werner